Wut + Ohnmacht = Gallensteine

 Ich hab da mal ein paar Fragen. Erstens, bist du eine Frau? Bist du, zweitens, schon über 40? Drittens, bist du zufällig blond? Viertens, Hand aufs Herz, ein bißchen übergewichtig? Hat fünftens, deine Mutter Gallensteine? Und schließlich sechstens, wieviele Kinder hast du, mehr als zwei?

Wenn du die Fragen mit ja beantworten kannst – Herzlichen Glückwunsch – die Wahrscheinlichkeit, Gallensteine zu entwickeln, ist bei dir sehr hoch.

Risikofaktoren für die Entwicklung von Gallensteinen

  • female (weiblich)
  • fat (übergewichtig)
  • fertile (fruchtbar, mehrere Kinder)
  • forty (Alter 40 Jahre und mehr)
  • fair (blond, hellhaarig)
  • family (familiäre Veranlagung)

Kurz gesagt, die 6F-Regel.

Gallensteine kommen bei ungefähr jedem sechsten Deutschen vor. Davon sind Frauen dreimal häufiger betroffen als Männer. Allerdings entwickeln nur ein Viertel der Betroffenen tatsächlich Beschwerden. Insofern erfahren viele erst durch einen allgemeinen Gesundheitscheck von deren Existenz. Eine Behandlung ist übrigens nicht notwendig, solange keine Beschwerden auftreten. Wenn sie auftreten, sollte man oder besser frau allerdings tätig werden. Soweit die Sachlage.

Ich beispielsweise, habe sie, sogar große und ich wußte es nicht. Daher bin ich neugierig geworden. Wie konnte es dazu kommen? Hätte ich etwas anders machen können? Wirklich zufriedengestellt haben mich die 6F jedefalls nicht.

Sind Hormone, Veranlagung und schlechte Ernährung der einzige Grund? Sind Gallensteine eine Altweiberkrankheit?

Bei meinem letzten großen Gesundheitscheck, war ich nicht wirklich überrascht, als die Diagnose Gallensteine auftauchte. Während der Arzt sich noch wunderte, dass die beim letzten mal gar nicht und dafür diesmal so groß zu sehen sind, dachte ich nur: “Aha, da ist also das ganze Drama gelandet.”

Zusammengefasst – ich bin über 40, als Kind blond, meine Mutter hatte Gallensteine, ich habe 4 Kinder. Übergewichtig bin ich zwar nicht, aber ich liebe Sahne und Butter. Bingo.

Daran habe ich in dem Moment allerdings nicht gedacht, sondern an die letzten 2 Jahre und auch die Zeit davor.

Ich muss zugeben, da war viel unterdrückte Wut und Ärger über ungerechte Vorwürfe und übers nicht wahrgenommen werden. Und es gab dieses Gefühl von Ohnmacht, weil ich mich dazu entschieden hatte, die Situation auszuhalten und nicht zu konfrontieren.

Wahrscheinlich hätte das auch wenig gebracht im Zusammenleben mit meinem an Depression erkrankten Mann.  Vielmehr war meine Befürchtung, dass es die Situation verschärft hätte. Schließlich brauchte er für sich Gründe, um den Rückfall in die Alkoholsucht zu erklären und um eine Therapie nicht zu wollen.

Auch meiner Mutter gegenüber, die nach einem Schlaganfall erblindete und ebenfalls mit Demenz eine Depression entwickelte, blieb ich stumm.

Ich hatte mich entschieden, zu versorgen und zu unterstützen, so gut es eben ging. Zähne zusammenbeißen und weitermachen, lautete die Devise. Währenddessen lief meine eigene Erkrankung (Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs) so nebenher. Ich war quasi kurz mal weg, um mich operieren zu lassen (2mal) und direkt danach wieder einsatzfähig. Schließlich gab es noch Seminare, die ich halten musste. Aus heutiger Sicht und mit Distanz – absoluter Wahnsinn.

Genetisch oder anerzogen?

Rückblickend kann ich sagen, ich bin so erzogen worden. Am wichtigsten war, sich selbst hintenanstellen zu können. Für meine Eltern mit ihrem Familienbetrieb war es extrem wichtig, sich vor den Kunden nichts anmerken zu lassen, sich nicht zu beschweren, sondern Probleme zu lösen. Das reichte auch ins Private hinein. Eine Trennung zwischen beruflich und privat, gab es in dem kleinen Familienbetrieb (Bäckerei, Konditorei, Café), wo wir alle hinter der Theke standen oder im Service geholfen haben, ohnehin nicht. Ich habe meine Hausaufgaben meistens in der Küche hinter dem Laden gemacht. Damit das klappt, mussten wir alle funktionieren. So viel zur genetischen Veranlagung.

Was ich anders hätte machen können!

Wenn es wirklich so geballt kommt, wie in dieser Krisensituation, sind alte Muster ausgesprochen stark. Insofern waren auch meine  anerzogenen Werte stärker, als mein Wissen um Selbstfürsorge. Und ich habe die leise aufkeimende Bitterkeit übersehen. Dafür war ich zu beschäftigt.

Erst als das meiste vorbei war, kam die Bitterkeit hoch. Mein Mann und meine Mutter sind innerhalb von 6 Monaten verstorben und neben die Traurigkeit gesellte sich das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben. Was es war? Die FREUDE. Und ganz ehrlich, ja, die Umstände waren mehr als anstrengend, aber die Freude, die habe ich mir selbst nicht gegönnt.

Hier, meine Liebe, kommt die Frage an dich: Gönnst Du dir Freude, auch wenn es anderen um dich herum schlecht geht oder die Umstände es dir scheinbar nicht erlauben? Oder hast du dann ein schlechtes Gewissen?

Wenn ja, dann mach dich frei von diesen gesellschaftlichen Normen, dem moralapostolischen Miesepeter in deinem Kopf. Sieh es mal so: Er ist nur dazu da, dass du nicht vergisst, dass es da irgendeine Aufgabe gibt.

Aber da kannst du ihn beruhigen. Du vergisst nicht. Du holst nur Luft, sammelst Kraft und tankst Energie. Das Wichtigste, du erinnerst dich daran, dass das Leben ein Geschenk ist und du vor allem eine Aufgabe hast: Freude zu haben, zu sein und weiterzugeben.

Ich habe ein paar Sprichwörter gefunden, die auch als Prävention gegen überkochende Galle genommen werden können. Du siehst, es ist ein altbekanntes Phänomen.

 Sprichwörter, die Hinweise geben

  • “Das stößt sauer auf” – häufiges Aufstoßen zählt genauso wie Blähungen zu Symptomen, die auf Gallensteine hinweisen können
  • “Gift und Galle spucken” – wenn du deinem Ärger Luft machst, ist alles gut. Aber Gift und Galle spucken ist mehr. Das ist wie zuviel essen und sich übergeben. Da hast du schon viel zu viel hinunter geschluckt.
  • “Da läuft die Galle über” – siehe oben. Auch hier: ständiger Zufluss ohne geregelten Abfluss
  • “Läuse, die wiederholt über die Leber laufen, bringen früher oder später die Galle zum Überlaufen.” (Renzie Thom) – keine Veränderung, kein Gegenpol
  • Hamlet: “Ich hege Taubenmut, mir fehlts an Galle, die bitter macht den Druck…”. Hintergrund bei Hamlet: die Racheforderung des Geistes ruft bei Hamlet neue Selbstzweifel hervor. Er fühlt sich untätig, feige und unentschlossen.

Sei achtsam mit dir!

Wut und Ärger und Verzweiflung sind Gift für den Körper. Sie werden stärker, wenn wir sie ignorieren. Sie wollen gesehen werden und nicht unterdrückt für unser Heile-Welt-Bedürfnis. Wie du mit ihnen gut umgehen kannst, darüber plaudern wir im nächsten Blogbeitrag

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